Der Mann ohne Eigenschaften
Wien, 1913. Ein Mann, der alles sein könnte, beschließt, ein Jahr Urlaub von seinem Leben zu nehmen. Musils Jahrhundertroman über eine Gesellschaft kurz vor dem Abgrund.
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Das Buch
Ein Jahr Urlaub vom Leben.
Ulrich, begabt zu allem und zu nichts entschlossen, lebt in einem Land, das Musil Kakanien nennt – unschwer als die späte Habsburgermonarchie zu erkennen. Er nimmt sich vor, ein Jahr lang nichts Bestimmtes zu werden, und beobachtet.
Dabei gerät er in die „Parallelaktion“: ein Komitee aus Adel, Beamten, Salondamen und Industriellen, das ein großes vaterländisches Jubiläum vorbereiten soll und verzweifelt nach einer zündenden Idee sucht. Die Idee kommt nicht. Der Krieg schon.
Robert Musil arbeitete über zwanzig Jahre an diesem Roman. Das Erste Buch erschien 1930; vollendet hat er ihn nie. Er starb 1942 im Schweizer Exil.
– im August dieses Jahres beginnt der Roman. Ein Jahr später ist die Welt, die er beschreibt, im Krieg.
Glashaus-Notiz · Warum heute?
Ein Jahr vor dem Abgrund
Musils Figuren organisieren Feste, gründen Ausschüsse, diskutieren über die großen Fragen der Zeit – und bemerken nicht, dass ihre Welt unmittelbar vor dem Zusammenbruch steht. Wer heute Konferenzen über die Zukunft verfolgt, während die Gegenwart aus den Fugen gerät, kennt dieses Gefühl.
Der Roman beginnt mit einem Wetterbericht und einer Großstadt voller Verkehr, Lärm und Geschwindigkeit. Musil beschreibt eine Welt, die zu schnell geworden ist, um sie noch zu verstehen, und Menschen, deren Eigenschaften sich auflösen, weil sie von allem ein bisschen und von nichts ganz sein sollen.
Und er setzt dem etwas entgegen: den „Möglichkeitssinn“, die Fähigkeit, die Welt auch anders zu denken, als sie ist. In Zeiten, in denen vieles alternativlos scheint, ist das vielleicht der wichtigste Gedanke dieses Buches.
Edition Glashaus
Leseprobe
Wie es beginnt.
Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur aperiodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.
Autos schossen aus schmalen, tiefen Straßen in die Seichtigkeit heller Plätze. Fußgängerdunkelheit bildete wolkige Schnüre. Wo kräftigere Striche der Geschwindigkeit quer durch ihre lockere Eile fuhren, verdickten sie sich, rieselten nachher rascher und hatten nach wenigen Schwingungen wieder ihren gleichmäßigen Puls. Hunderte Töne waren zu einem drahtigen Geräusch ineinander verwunden, aus dem einzelne Spitzen vorstanden, längs dessen schneidige Kanten liefen und sich wieder einebneten, von dem klare Töne absplitterten und verflogen. An diesem Geräusch, ohne daß sich seine Besonderheit beschreiben ließe, würde ein Mensch nach jahrelanger Abwesenheit mit geschlossenen Augen erkannt haben, daß er sich in der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien befinde. …
Ausstattung
Was Sie in Händen halten.
- Reihe
- Glashaus Klassiker
- Autor
- Robert Musil (1880–1942)
- Gattung
- Roman, unvollendet
- Erstausgabe
- 1930 (Erstes Buch)
- Textgrundlage
- Ausgabe angeben
- Format
- z. B. 12,5 × 19 cm
- Umfang
- Seitenzahl
- Einband
- z. B. Klappenbroschur, fadengeheftet
- ISBN
- 978-3-…
- Preis
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